Schock schwere Not


In meinem vorigen Artikel, „Wenn Reiki zur Qual wird“, habe ich von
Traumata gesprochen, die durch die Reiki- Einweihung reaktiviert werden können. Auf diese Thematik möchte ich genauer eingehen.
Wie kommt es zu so einem Trauma und warum kann es dann zu einen späteren Zeitpunkt plötzlich reaktiviert werden?

Viele Menschen, die zu mir in die Heilsitzungen kommen, haben oft, ohne es zu wissen, mit solch einem Trauma aus ihrer Kindheit zu tun.

Sie spüren zwar die Auswirkungen verschiedener Symptome wie z.B. einer Phobie, Angst, Depression oder mangelnden Selbstwertgefühles, können diese Gefühle aber nicht mehr mit der Ursache, dem traumatischen Ereignis aus ihrer Kindheit, in Verbindung bringen.

Das liegt daran, dass unser Unterbewusstsein solche seelischen Verletzungen unter ganz bestimmten Bedingungen, einfach ins Unbewusste verdrängen kann.

Unser Unterbewusstsein ist nicht nur für die automatischen Vorgänge in unserem Leben zuständig wie z.B. die Steuerung von Körperfunktionen wie Herzschlag oder der Atmung. Es kann noch viel mehr, denn es funktioniert wie ein Computer, der mit vielen Programmen ausgestattet ist und auf ganz bestimmte Eingaben unseres Bewusstseins reagiert. Eines dieser Programme hat zum Beispiel die Funktion uns zu beschützen. Das ist großartig, hat aber auch einen Hacken, denn es kann nicht wie unser Bewusstsein zwischen gut oder schlecht unterscheiden.
Daraus können unter bestimmten Vorrausetzungen viele Probleme entstehen.

Aus der Ethologie ( die Beobachtung von wilden Tieren in ihrer natürlichen Umgebung ) weiß man, dass Beutetiere selten traumatisiert werden obwohl sie häufig sogar mehrere Male am Tag heftigen Bedrohungen ausgesetzt sind. Tiere besitzen die angeborene Fähigkeit, sich schnell von einen Trauma zu regenerieren indem sie zittern, schnelle Augenbewegungen machen, am ganzen Körper beben, keuchend Atmen und Bewegungen vervollständigen. Das tun sie solange bis ihr Körper zu seinem Gleichgewicht zurückkehrt. Diesen Vorgang nennt man Homöostase. Auch wir Menschen teilen uns diesen Mechanismus mit den Tieren.

Stellen wir uns einmal vor, wie ein kleines Kind beim Spielen mit seinem Fahrrad stürzt. Es erschrickt sich und tut sich dabei weh. Sofort fängt es an zu weinen und seine Mutter eilt herbei. Die Mama nimmt unser Kleines liebevoll in ihre Arme und tröstet es mit beruhigenden Worten. Das Kind weint, zittert und atmet schnell. Nach einer Weile wird es nach und nach weniger, bis es sich wieder völlig beruhigt hat. Kurz darauf springt das Kleine wieder auf sein Fahrrad und spielt einfach weiter als wäre nichts gewesen.

Was wir hier gerade erlebt haben stellt den Idealfall dar und zeigt wie perfekt das Schutzprogramm unseres Unterbewusstseins funktioniert. Wenn wir stürzen oder uns Verletzen, stehen wir für einige Momente unter Schock. Um solch einen Schock zu bewältigen reagiert unser Unterbewusstsein mit einer tollen Gegenmaßnahme. Dem Weinen. Durch diese Reaktion schütteln wir uns den Schock förmlich wieder aus den Gliedern. Etwa so, wie ein Blitz der in ein Haus einschlägt, der aber von einem Blitzableiter in den Boden abgelenkt wird.

Nun, dann könnte man ja sagen, dass alles in bester Ordnung ist und dass niemand unter einem Trauma leiden muss, weil sich das Unterbewusste ja selbst zu helfen weiß!?

Aus folgenden Gründen ist es leider nicht immer so.

Erstens sind wir viel komplexer gestrickt als unsere Freunde aus dem Tierreich. Zweitens unterdrücken und hemmen wir oft den Prozess aus Scham, was Tiere nicht tun, weil sie solche Gefühle nicht kennen. Und drittens, weil uns in der Schocksituation Angst oder Schuldgefühle gemacht wurden.

Stellen wir uns jetzt noch einmal unser Kind mit dem Fahrrad vor. Es stürzt und fängt an zu Weinen. Seine Mutter kommt hinzu, erschrickt sich aber selbst über den Unfall und anstatt ihr Kind zu trösten, fängt sie sofort an es auszuschimpfen. „Ich habe dir doch gesagt das du vorsichtig fahren sollst. Das hast du jetzt davon. Du bist selbst Schuld! Pass nächstes mal besser auf sonst nehme ich dir das Fahrrad weg.“

Wir erinnern uns, dass wir bei einem Unfall für einen gewissen Zeitraum unter Schock stehen. Stehen wir unter Schock ist es so als stünden wir unter Hypnose. Unser Unterbewusstsein ist in diesem Zustand äußerst suggestibel und alles was gesagt wird, kann dann direkt ins Unterbewusste gehen. Je jünger wir sind, um so größer ist die Gefahr, dass wir ein Trauma von dieser Sache zurückbehalten. Die Widerstandskraft gegen Suggestionen ist bei kleinen Kindern noch nicht so gegeben wie zum Beispiel bei einem Erwachsenen.

Während im ersten Fallbeispiel unser weinendes Kind von seiner Mutter einen geschützten, liebevollen Rahmen bekommt um die Schockenergie auszuschütteln, passiert dieses im zweiten Beispiel nicht. Das Kind bekommt zu seinen Schreck noch Angst und Schuldgefühle hinzu. Der Schock kann nicht ausgeschüttelt werden und die Schockenergie wird direkt mit den Angst und Schuldgefühlen ins Unterbewusste verdrängt.

Als ich elf Jahre alt war, machte ich in den Sommerferien mit meinen Eltern in Dänemark an der Nordsee Urlaub. Ich spielte am Strand mit einen kleinen, vielleicht acht oder neunjährigen Mädchen. Irgendwann gingen wir ins Wasser um zu Baden. Plötzlich wurde das Mädchen abgetrieben, kam in tieferes Wasser und drohte zu ertrinken. Ich bemerkte es erst als sie um Hilfe rief und erschrak fürchterlich. Ich konnte nicht Schwimmen und durch den Schrecken ( Schock), stand ich handlungsunfähig und wie gelähmt da. Der Vater der kleinen hörte ihre Rufe, rannte ins Wasser und rettet sie. Als er sie zu ihrem Liegeplatz brachte, löste sich meine Körper-starre und auch ich bewegte mich zurück zum Liegeplatz meiner Eltern.

Unser Liegeplatz war oben in den Dünen und ich musste über den ganzen Strand gehen um dort anzukommen. Ich schämte mich schrecklich, weil ich glaubte Schuld an diesen Unfall zu haben. Ich hatte das Gefühl, dass mich alle Leute am Strand anstarrten und mir ebenfalls die Schuld dafür gaben. Vor Scham schaute ich die ganze Zeit auf dem Weg zu unseren Liegeplatz auf den Boden. Alarmiert durch die Rufe und der Aufregung am Strand war mein Vater aufgestanden um zu sehen was passiert war. Er war sehr wütend auf mich und schimpfte auf mich ein. „Warum hast du ihr denn nicht geholfen? Du hättest doch nur nach ihr greifen und sie ins flachere Wasser ziehen müssen! Was ist den los mit dir? Sie hätte ertrinken können!“ Seine Worte trafen mich hart zu meinem Schock. Ich setzte mich ohne etwas sagen zu können auf meinen Platz und kämpfte mit meinen Tränen.

An diesem Tag ging ich nicht mehr an den Strand hinunter und mein Vater und ich sprachen nie wieder darüber. Meine Schockenergie konnte nicht ausgeschüttelt werden und verschwand mit den Schuld und Angstgefühlen direkt in meinem Unterbewusstsein. Viele Jahre später, als ich längst nicht mehr daran dachte, wurde dieses Trauma wie ein Schläfer einer Terrorzelle erweckt und begann sein zerstörerisches Werk.

Als ich mit einundzwanzig mit meiner Clique an die Ostsee fuhr, überkamen mich am Strand plötzlich seltsame Gefühle. Eigentlich hatte ich mich gefreut mit meinen Freunden einen schönen Strandtag zu erleben. Aber als ich so auf meinem Strandhandtuch lag fühlte ich mich auf einmal sehr beschämt und ängstlich. Ich mochte weder von meinem Platz aufstehen um ins Wasser zu gehen noch um ein Eis zu essen. Außerdem fühlte ich mich von den anderen Badegästen irgendwie beobachtet.

Meine Freunde waren sehr verwundert über mein Verhalten und ich erklärte es ihnen damit, dass ich einfach keine Lust dazu hatte. Diese Gefühle wiederholten sich Regelmäßig wenn ich an einem Strand war. Ich konnte es mir nicht erklären und versuchte damit zu Leben. Erst als ich in den Dreißigern war und deswegen bei Malcolm Southwood, einem englischen Heiler war, konnte ich diese Geschichte, also die wirkliche Ursache für mein Problem aufdecken und das Trauma auflösen.

Kommen wir nun noch einmal zurück zu unserem zweiten Fallbeispiel. Stellen wir uns das Kind zwanzig Jahre später vor. Es ist nun ein Erwachsener und lebt sein Leben. Jedes mal wenn er Fahrrad fährt, überkommt ihn ein komisches Gefühl. Eine Mischung aus Angst und Unsicherheit. Wenn es geht, versucht er so wenig wie möglich mit dem Fahrrad zu fahren um diese Gefühle zu vermeiden.
Eigentlich findet er das schade, denn als Kind ist er doch immer so gerne Rad gefahren…

Wenn solch eine Schockenergie in unserem Unterbewussten „fest sitzt“, kann diese später mit all ihren anhängenden Gefühlen durch eine ähnliche Situation reaktiviert werden. Dann bekommen wir plötzlich, wie aus heiterem Himmel, Angst oder Panik für die wir keine rationale Erklärung haben.

Befinden wir uns in einer Situation, die zu einem früheren Zeitpunkt in unserem Leben ein Trauma verursacht hatte, wird uns das Unterbewusstsein mit Warnsignalen zur Vorsicht mahnen. Tritt die gleiche Situation noch einmal ein, wird es mit Symptomen wie Phobie oder Panik reagieren.
Die Ursache zur Reaktivierung war bei mir der Strand und das Wasser. Bei unserem Fallbeispiel war es das Fahrrad. Wir haben es also nicht mit einer realen Bedrohung zu tun, sondern mit den Gefühlen einer längst vergangenen Zeit, eines längst vergessenen Traumas. Ein plötzlicher Schock in der Kombination mit Angst und Schuldgefühlen war damals der Nährboden für das Trauma.

Viele Leute glauben, dass man ein Trauma erst bekommt, wenn man zum Beispiel Opfer einer schweren Gewalttat war. Peter A. Levine und Magie Kline, Autoren des Buches „Verwundete Kinderseelen Heilen“, sagen dort: „Trauma ist möglicherweise die am meisten angefochtene, ignorierte, verharmloste, verleugnete, missverstandene und nicht behandelte Ursache für menschliches Leiden.“

Wir sehen also, dass Traumatisierung nicht nur durch katastrophale Ereignisse wie Missbrauch oder Gewalt verursacht wird. Natürlich ist das Ausmaß der Belastung ein wichtiger Faktor, aber er definiert ein Trauma nicht. Auch kleine Vorfälle, deren Folgen verharmlost werden, können ein Auslöser sein. Kleine Verletzungen, Stürze oder Unfälle, Scheidungen, Trennungen, ein unvorhergesehenes Ereignis, usw.

Geht so ein Mensch nun zu einem Heiler, und lädt dieser das elektromagnetische Feld seines Klienten auf, kommt es in diesem unwillkürlich zur Freisetzung aufgestauter Gefühle. Meist liegen diese unmittelbar unter der Oberfläche und werden nur durch ein, sich wehrendes Bewusstsein, in Schach gehalten. Doch in dem, durch die Heilbehandlung ausgelösten meditativen Zustand, wird die Schranke geöffnet, und die Gefühle brechen heraus.

Bei einer Reiki- Einweihung wird ebenfalls unser elektrisches Feld aufgeladen. Eine zusätzliche Aufladung erfährt es auch noch durch die, mit Reiki aneinander übenden, Schüler.
Dadurch erfahren wir einen entspannten und meditativen Zustand. Genauso so wie in einer Heilbehandlung.

Also ist es kein Wunder, dass wir nach einer Einweihung in den ersten Reiki- Grad plötzlich mit Gefühlen konfrontiert werden können, die eigentlich von einem alten Trauma stammen . Ein erfahrener Lehrer weiß in einem solchen Fall genau was er zu tun hat damit sein Schüler diese Krise ohne weitere Probleme meistern kann.

Copyright by

Marco Hennings

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Ein Kommentar zu “Schock schwere Not

  1. Wie du richtig geschrieben hast, kann der Mensch sich selbst von dem Schock heilen, indem die (evtl. angesammelte, gestaute) Spannung „abgeschüttelt“ oder „abgeweint“ wird. Das ist u.a. auch die Erfahrung aus der Primär- / Primal-Therapie („Urschrei-Therapie“) und aus körperorientierten Therapien wie Kinesiologie, Reichianische Körperarbeit, Rolfing oder Therapie nach Gerda Boyesen.
    Meine EIGENE Erfahrung dazu ist, dass sich die abgespaltenen Energien „melden“ (durch entsprechende Gefühle / Stimmung bzw. durch den Drang zum Weinen), wenn man FRIEDEN hat. Bei mir „meldeten“ sich 2001 Traumata aus der Kindheit (als ich ca. 4 oder 5 bzw. ein weiteres Mal 6 oder 7 war), nachdem ich ERSTENS: einerseits 1992 schon beschlossen hatte, meine grundlegende seelische Gesundheit anzustreben
    ZWEITENS: 1997 trotzdem noch einen „burn out“ erlitt und wegen „Depression“ aus dem Arbeitsleben ausschied,
    DRITTENS: ich 1999 erkannte, das ich Gefühle unterdrückte und beschloss, sie LEBEN zu lassen, zuzulassen und
    VIERTENS: 2001 aus meiner konfliktbelasteten Partnerschaft in eine eigene Wohnung zog.
    Etwa ein halbes Jahr später begann die Serie der heftigen „Wein-Ausbrüche“, die ich auch zulassen konnte, weil ich darauf vertraute, dass es richtig war.
    Danach ist – nach und nach – alles mit mir „in Ordnung“ gekommen.
    Ich darf mich als „geheilt“ bezeichnen und als bedingungslos glücklichen Menschen.

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